Können Schmerzen im Verlauf der Wirbelsäule, des Beckens, der Knie bis hinab zu den Füßen ihre Ursache in einem falschen Biss haben?
Diese Zusammenhänge treten erstaunlich oft auf und lassen sich durch geeignete Untersuchungensmethoden eindeutig untermauern. Nur durch eine Behandlung, die die Ursache einer Störung beseitigt, können dauerhaft Symptome beseitigt werden, die oft weit ab von der Entstehung auftreten.
Ist eine falsche Lage des Unterkiefers als Auslöser von Beschwerden etwa im Rückenbereich identifiziert, hilft nur eine Neuorientierung der Kiefer zunächst mit einer Aufbissschiene, um die Rückenprobleme zu beseitigen und nicht eine Massagebehandlung der entsprechenden Rückenregion als alleinige Maßnahme.
Die Diagnose und Therapie dieser häufigen Störungen, sollten von spezifisch ausgebildeten Kieferorthopäden oder Zahnärzten durchgeführt werden.
Beispiele aus der Praxis sollen dies verdeutlichen:
1) Eine 43 Jahre alte Patientin wird mit Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule rechts, die in das Becken rechts ausstrahlen und die sie seit längerem hat, in unsere Praxis überwiesen. Im Zusammenbiss der Zähne ergibt sich eine asymmetrische Unterkieferlage. Bei der Untersuchung zeigt sich eine Beinlängendifferenz von 2,5 cm. Wird die Unterkieferfehllage in eine regelrechte Position gebracht und zunächst durch Aufbeißen auf zwei Watterollen fixiert, zeigt sich nachdem die Patientin einige Schritte gelaufen ist, dass die Beinlängendifferenz ausgeglichen ist. Die Anfertigung einer Aufbissschiene in dieser Kieferlage führt dazu, dass die anfänglich angegebenen Bescherden im Rücken- und Beckenbereich vollkommen verschwinden. In diesem Fall hat eine asymmetrische Kieferlage eine Folge von asymmetrischen Muskelkontrakionen ausgelöst, die sich nach unten fortgesetzt haben.
2) Bei einer 12jährigen Patientin wurde vom Orthopäden eine seitliche Verwindung der Wirbelsäule (Skoliose) diagnostiziert.
Bei der Untersuchung in unserer Praxis ergab sich gleichzeitig eine seitliche Wachstumsabweichung des Unterkiefers, die durch kieferorthopädische Maßnahmen korrigiert wurde. Damit kam es zusammen mit gymnastischer Stärkung der Rückenmuskulatur zu einer deutlichen Verbesserung der Rückenskoliose. Dieser positive Effekt und die funktionellen Zusammenhänge zwischen der Wirbelsäulenfehlstellung und dem falschen Biß konnte zuvor durch geeignete diagnostische Untersuchungen präzisiert werden. Nicht invasive laseroptische Vermessung der Wirbelsäule vor und während der Therapie zeigen den Grad der Besserung der Wirbelsäulenverwindung an.
